|
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815 |
Das Buch ![]() Bei AMAZON bestellen Mehr Infos |
Am
1. Februar 1793 erklärte das revolutionäre Frankreich
England (und Holland) den Krieg. Damit begannen nicht nur die so
genannten Revolutionskriege, sondern auch eine mit einer kurzen
Unterbrechung 22 Jahre lang währende militärische
Auseinandersetzung zwischen den beiden damaligen Erzfeinden, die
zunächst vor allem auf See ausgetragen wurde.
Die erste große Seeschlacht dieses Krieges fand im
Frühsommer 1794 im Atlantik statt und wurde in England als die
Schlacht vom glorious first of june bekannt.
Diese Seeschlacht wird auch die dritte Schlacht vor Ushant (Ouessant)
genannt, obwohl sie rund 700 km westlich des genannten Punktes
stattfand und es vor Ouessant in dieser Ära mindestens zwei
weitere beachtenswerte Schlachten gab (Am 27. Juli 1778 Admiral Keppel
gegen den Count d'Orvilliers und 12. Dezember 1781 Kempenfelt gegen De
Guichen). Im revolutionären Frankreich hieß das
Gefecht nach dem Revolutionskalender auch Schlacht vom 13. Prairial,
doch dieser Kalender sagt heute nur noch wenigen Menschen etwas.
Schlacht im Atlantik ist auf der anderen Seite eine zu allgemeine
Bezeichnung, weswegen ich es hier vorziehe, den bekannten englischen
Namen der Schlacht zu wählen. Wohl impliziert dieser Titel die
einseitige, aber nicht falsche Feststellung, das die Briten diese
Schlacht gewonnen haben, wenn auch nicht glorreich. Es sei deswegen
gesagt, dass Einspruch von zeitgenössischer
französischer Seite diesbezüglich nicht unberechtigt
ist, wenn man die Zielsetzungen vor der Schlacht
berücksichtigt.
Der Glorious First of June deutete aber zum ersten Male die
Überlegenheit der Royal Navy gegenüber der 10 Jahre
zuvor noch ebenbürtigen französischen Marine an. Die
Briten und Franzosen begingen im Kampf einige schwere Fehler, aus denen
die Engländer wenige Jahre später dann gelernt
hatten, die französische Marine dagegen nicht.
Wie es zu der Seeschlacht des glorreichen 1. Juni kam, wie der Kampf
verlief und wie er ausging, wird in diesem Bericht geschildert.
In den Jahren 1793 und 1794, im fünften Jahr der
französischen Revolution, wütete der Terror der
Jakobiner in ganz Frankreich. Denunziationen, Prozesse und die
Guillotine konnten jeden treffen, vor allem aber Leute, die bereits der
Monarchie und dem französischen König in
höherer Position gedient hatten.
Die französische Flotte war eine der Institutionen, in denen
bis 1793 viele höhere Offiziere noch im Amt geblieben waren.
Mit dem Aufkommen des Terrors jedoch setzten die Verhaftungen, Prozesse
und Hinrichtungen ein. Als im November 1793 die Brester Flotte unter
Vizeadmiral Morard de Galles in den Goulet, den
äußeren Hafen von Brest, einlief, warteten
die Schergen des Terrors bereits.
Der Vizeadmiral wurde seines Postens enthoben, kam aber immerhin ohne
Verhaftung davon. Auch die beiden Konteradmirale Lelarge und Landais
verloren zunächst ihren Rang. Konteradmiral Kerguelen erging
es diesbezüglich noch schlechter, denn er verbrachte eine
nervenaufreibende Zeit hinter Gittern, immerhin kam er später
wieder frei. Die Kapitäne Joseph-Marie Coetnempren von der
JEAN BART und Touissant Duplassis-Grenedan von der COTE D'OR wurden
jedoch guillotiniert und eine Reihe Offiziere, Unteroffiziere und
Seeleute teilten ihr Schicksal. Nicht wenige wurden ins
Gefängnis geworfen oder versetzt, manche sogar zur Armee.
Aufgefüllt wurden die leeren Reihen mit Seeleuten aus dem zu
dieser Zeit noch von den Briten und Spaniern besetzten Toulon. Den
Oberbefehl über die Flotte in Brest erhielt der eigens zu
diesem Zwecke zum Konteradmiral beförderte Kommodore
Louis-Thomas Villaret-Joyeuse. Zur “Reorganisation”
der Flotte in Brest wurde der vormalige Präsident
des französischen Nationalkonvents und Mitglied des
berüchtigten Wohlfahrtsausschusses, Jean Bon Saint-Andre,
delegiert. Der ehemalige Handelskapitän und Pfarrer, vom
Wohlfahrtsausschuss mit weitreichenden Befugnissen
ausgestattet, hatte de facto das Kommando über die
Flotte und sollte es auch bis zu einem gewissen Zeitpunkt in der
Seeschlacht haben, die auf diesen Seiten geschildert wird.
![]() Louis Thomas Villaret-Joyeuse Click Bild für Kurzbiografie |
![]() Jean Bon Saint-Andre Click Bild für Kurzbiografie |
Der Moment für einen "Austausch" der militärischen
Führungsschicht war jedoch schlecht gewählt, denn in
Frankreich erwartete man für das Frühjahr einen
riesigen Konvoi von weit über 300 Schiffen aus Amerika.
Schon Ende 1793 wurde Frankreich - gerade in den Ballungszentren - von
Hunger und daraus resultierenden Unruhen heimgesucht. Missernten hatten
zudem zu einer Getreideknappheit geführt, die Vorräte
der Republik waren aufgebraucht. Der Weizen aus Nordamerika war
deswegen unverzichtbar.
Es war absehbar, dass die britische Flotte alles daran setzen
würde, die riesige und kaum zu übersehende Flotte mit
im revolutionären Frankreich dringend benötigten
Gütern abzufangen. Die Flotten in Brest und Rochefort, wo ein
kleineres Geschwader stationiert war, waren dazu bestimmt, die Schiffe
aus Amerika zu verteidigen. Schon zu Beginn des Jahres 1794 erwartete
man wegen dieser Umstände in ganz Europa eine große
Seeschlacht zwischen Frankreich und England.
Im Frühjahr 1794 ging die englische Flotte unter Admiral Earl
Howe in See, um zunächst eigene Konvois auf den Weg zu bringen
und zu schützen. Am 4. Mai 1794 hatte die Flotte
ihre Aufgabe, rund 150 Handelsschiffe, bestimmt für
Nordamerika und die Karibik, bis zum Lizard zu geleiten,
erfüllt. Nun konnte sich Howe, inzwischen 68 Jahre alt und wegen seiner Erfahrung und seiner Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Taktiken zu Beginn des Kriegs reaktiviert, auf den franko-amerikanischen Konvoi konzentrieren.

Am späten Nachmittag des 16. Mai brach dann Konteradmiral
Villaret-Joyeuse mit 25 Linienschiffen sowie 15 Fregatten und
Korvetten auf, um ebenfalls dem Konvoi entgegen zu segeln.

|
Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815
|
Auf beiden Seiten standen sich zunächst jeweils 26 Schlacht- oder Linienschiffe gegenüber:

Konteradmiral Thomas Pasley auf der BELLEROPHON (74 - William Hope)
stand mit einem Geschwader aus RUSSELL (74 - John Willet Payne),
THUNDERER (74 - Albermarle Bertie) und MARLBOROUGH (74 - George
Cranfield Berkeley) am weitesten im Luv. Deswegen fiel ihm die Aufgabe
zu, näher zu den gesichteten Schiffen
aufzuschließen, um ihre Identität zu klären
und gegebenenfalls die Schlacht vorzubereiten. Die Briten standen
allerdings in der Leeposition und konnten deswegen die Schlacht nicht
erzwingen.
Der französische Oberkommandierende Villaret-Joyeuse wusste
jedoch noch nichts von der Verfolgung durch die englische Flotte und
befahl bei Sichtung die Annäherung an die im Lee auftauchenden
fremden Schiffe. Gegen 10:00 wurde ihm gemeldet, dass es sich bei der
unbekannten Flotte vermutlich um Admiral Howes Schiffe handelte.
Daraufhin ließ Villaret - möglicherweise auf
Veranlassung von Saint-Andre - seine Schiffe beidrehen und auf neuen
Kurs Richtung Norden legen. Angesichts seiner primären
Aufgabe, den Konvoi zu schützen, hatte der
französische Oberkommandierende es nicht eilig, eine Schlacht
zu schlagen. Seine Luvstellung garantierte ihm schließlich
die Manöverdominanz über die
verfolgenden Briten. Und solange die britische Flotte ihm folgte,
konnte sie den Konvoi nicht angreifen.
Letzterem ließ Villaret-Joyeuse durch zwei abgesandte
Fregatten (DANAE und FELICITE ?) befehlen, südlichen
Kurs zu steuern.
Eine der Fregatten erreichte Konteradmiral Vanstabel
tatsächlich schon am nächsten Tag und veranlasste
diesen, einen südlicheren Kurs steuern zu lassen. Es
lag nun also in französischem Interesse, die
Engländer hinter der großen Kriegsflotte
her zu locken und zu beschäftigen.
Die englischen Schiffe lagen inzwischen auf dem gleichen Schlag wie die
Franzosen und arbeiteten sich, stetig kreuzend, immer weiter nach Luv
vor.
Gegen 11:00 ließ Howe auf allen englischen Schiffen das
Mittagessen ausgeben, ein deutliches Zeichen, dass er an diesem Tag mit
der großen Schlacht rechnete.
Gegen 13:00 war die englische Flotte jedoch immer noch weit entfernt
von einem Gefecht, was immer dann besonders deutlich wurde, wenn beide
Flotten auf der gleichen Kreuz bzw. dem gleichen Schlag lagen. Howe
befahl deswegen seiner näher am Feind kreuzenden Vorhut unter
Konteradmiral Pasley, die Nachhut der Franzosen zu jagen und
anzugreifen. Er hoffte, Villaret-Joyeuse würde dann seiner
Nachhut zur Hilfe kommen und die britische Hauptmacht könnte
dann zur großen Schlacht aufschließen.
Tatsächlich kam die RUSSELL (74 - John Willet Payne) - rund
eine Meile näher am Gegner als ihre Kameradinnen - gegen 14:30
in Schussweite und eröffnete das Feuer auf die letzten Schiffe
der französischen Nachhut, zwei Zweidecker. Doch sie konnte
den Feind nur kurzzeitig fassen.
Gegen 15:00 befahl Admiral Howe seiner Flotte - mit Ausnahme der Vorhut - eine generelle Wende.
Die Vorhut versuchte währenddessen durch ihren Kurs doch noch die französische Nachhut abzufangen.
Pasley auf der langsamen BELLEROPHON (74) indessen sah die Chance
für sein Flaggschiff in einer genau gut abgepassten Wende.
Und tatsächlich kam ihm ein unverhofftes Manöver in
der französischen Nachhut entgegen. Wie Howe erhofft hatte,
befürchtete Villaret-Joyeuse, seine Nachhut könne
abgeschnitten werden.
Deswegen ließ er gegen 17:00 seine Vorhut und das Zentrum
Segel kürzen, damit die Nachhut aufschließen konnte.
Bei dem schwerfälligen Dreidecker REVOLUTIONNAIRE (110 -
Vandangel) hatte das Segelmanöver jedoch die Folge, dass das
Schiff beinahe stehenblieb und nach hinten "durchgereicht" wurde.
Nun ergab sich - für alle überraschend und
infolge der komplizierten Geometrie des Kreuzens auf See - ausgerechnet
für die als langsames Schiff geltende BELLEROPHON die
Möglichkeit, das letzte Schiff der Franzosen anzugreifen.
|
Herrscherin der Meere
|
Gegen 18:00 wurde Pasley in ein heftiges Gefecht mit den
mächtigen Breitseiten des französischen
Linienschiffes verwickelt, in das 20 Minuten später auch die
drei anderen britischen Linienschiffe der Vorhut eingriffen, freilich
lediglich auf größere Distanz.
Nach rund 50 Minuten Kampf mußte die BELLEROPHON abhalten,
weil ihre Großrahe am Hauptmast unbedienbar wurde
und das Segel abgenommen werden mußte. Dazu war der Hauptmast
durch Treffer auch noch schwer angeschlagen.
Aber auch die REVOLUTIONNAIRE hatte gelitten und verlor sogar ihren
ganzen Besanmast, dessen Topp in Flammen aufgegangen war, weswegen man
den ganzen angeschlagenen Mast kontrolliert über Bord gehen
ließ.
Es war übrigens höchst selten, dass während eines
Zweikampfes der Topp eines Kontrahenten in Brand geriet.
Feuer wurde bei Zweikämpfen in der Regel eher
zufällig durch fliegende, glühende
Ladungsrückstände aus den abgefeuerten Kanonen
entzündet. Dabei werden die Brände aber meistens an
tiefer liegenden Stellen verursacht. In diesem Fall scheint es mir
möglich und sehr wahrscheinlich, das friendly fire, nämlich wohlmeinende
Unterstützung anderer französische Schiffe der
Nachhut mittels Distanzschüssen mit glühend gemachten
Kugeln, das Feuer verursacht haben könnte.
Der französische Dreidecker schoss nach dem Verlust des Mastes
jedenfalls in den Wind und wurde nun von den heraneilenden LEVIATHAN
(74 - Lord Hugh Seymour) und AUDACIOUS (74 - William Parker)
angegriffen.
In der hereinbrechenden Dunkelheit verbissen sich REVOLUTIONNAIRE und
AUDACIOUS in einen verheerenden Zweikampf, während die
LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) sich zwischen die
französische Nachhut und die kämpfenden Rivalen schob
und erstere unter Distanzfeuer nahm, wegen schlechter Sicht aber
schließlich zur Flotte zurückkehrte.
Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) und die THUNDERER (74 - Albemarle
Bertie) stießen inzwischen zum einzigen Zweikampf dieses
Tages, es gelang ihnen jedoch nicht, gemeinsam mit der AUDACIOUS das
schwer beschädigte französische Schlachtschiff zur
Übergabe zu zwingen, obwohl dieses am Ende völlig
entmastet wurde.
Die AUDACIOUS war ebenfalls sehr schwer beschädigt, trieb aus
dem Kampfgeschehen, begann unter Hochdruck mit den
Reparaturen und wurde bis zum Morgen des 29. Mai
wieder leidlich manövrierbar. Gerade rechtzeitig, denn auf
ihrer Luvseite tauchten nun mehr als ein halbes Dutzend Segel auf,
unter ihnen ganz offensichtlich französische Linienschiffe.
Es handelte sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um das
Geschwader von Konteradmiral Nielly, der laut Logbuch in
großer Distanz Zeuge dieses ersten Gefechtes des Glorious
First of June wurde. Die AUDACIOUS entkam den anrückenden
Schlachtschiffen jedoch im Nebel der Morgendämmerung, aber
nur, um fast ihrem französischen Namensvetter AUDACIEUX (74 -
Pilastre) in die Arme zu rennen.
Die AUDACIEUX gehörte ursprünglich zu Niellys
Geschwader und hatte am frühen Morgen des 29. Mai Kontakt mit
Villaret-Joyeuses Flotte bekommen. Sie war sofort wieder mit
einer Begleitfregatte ausgeschickt worden, um die REVOLUTIONNAIRE zu
suchen und versuchte nun, ihren geschwächten britischen
Namensvetter zu packen.
Kapitän William Parker wechselte daraufhin erneut den Kurs, passierte
die REVOLUTIONNAIRE in rund zwei Meilen Distanz und entkam im Nebel
auch Kapitän Pilastre, welcher sich angesichts des
entschwundenen Gegners des entmasteten Dreideckers annahm und die
REVOLUTIONNAIRE nach Rochefort abschleppte.
Die verkrüppelte AUDACIOUS aber rannte bei ihrem
Fluchtmanöver in das nächste französische
Kriegsschiff, zu ihrem Glück nur die
18-Pfünder-Fregatte BELLONE (36) in Begleitung zweier
Korvetten.
Das französische Trio hängte sich hinter den
angeschlagenen Engländer und nahm jede Chance wahr, ihn zu
beschießen, offensichtlich machten aber die leichten
Geschütze der Korvetten überhaupt keinen Eindruck auf
das Schlachtschiff, während die Jagdgeschütze der
AUDACIOUS durchaus eine Gefahr für die kleinen Schiffe
darstellten. Deswegen brachen diese bald die Verfolgung bald
und trachteten suchend danach, eventuell eine
größeren Kameraden herbei zu lotsen.
Im Verlaufe des Tages entwischte die AUDACIOUS im Nebel dann auch der
BELLONE. Beschädigt und viele Meilen von ihrer Flotte
abgedrängt setzte das englische Linienschiff dann Kurs auf
Plymouth, wo es am 3. Juni Anker warf.
|
Alexander Kent´s Richard Bolitho |
Englischer Titel - Deutscher Titel Signal - Close Action! 1974 - Eine letzte Breitseite Richard Bolitho - Midshipman 1975 - Die Feuertaufe Passage To Mutiny 1976 - Fieber an Bord In Gallant Company 1977 - Zerfetzte Flaggen Midshipman Bolitho And The Avenger 1978 - Strandwölfe The Inshore Squadron 1978 - Galeeren in der Ostsee Stand Into Danger 1980 - Kanonenfutter A Tradition Of Victory 1981 - Admiral Bolithos Erbe Success To The Brave 1983 - Der Brander Colours Aloft! 1986 - Donner unter der Kimm Honour This Day 1987 - Die Seemannsbraut With All Dispatch 1988 - Der Königs Konterbande The Only Victor 1990 - Mauern aus Holz, Männer aus Eisen Beyond The Reef 1992 - Das letzte Riff The Darkening Sea 1993 - Dämmerung über der See For My Country's Freedom 1995 - Dem Vaterland zuliebe Cross Of St. George 1996 - Unter dem Georgskreuz Sword Of Honour 1998 - Das letzte Gefecht |
In der Nacht fanden Pasley und sein Vorhut-Geschwader nach und nach in
die Reihen der englischen Flotte zurück Die beiden
Flotten steuerten über Nacht kontinuierlich
nordöstlichen Kurs und die Franzosen konnten die
Positionslichter der Briten gut erkennen.
Die Engländer andererseits suchten auf ihrer Luvseite
vergeblich nach den Lichtern der französischen
Schiffe. Auf diese Weise konnte Villaret-Joyeuse die Distanz zu den
Briten gut kontrollieren und bei nachlassendem Interesse an der
Verfolgung auf Seiten des Gegners diesen mit ein paar Laternen neu
motivieren.
In schwerer See blieb der Abstand bei rund 6 Meilen konstant, bis die
Briten am nächsten Morgen bei Ansicht des Gegners ihren Kurs
korrigierten und sich wieder näherten.
Howe strebte danach, sich die Luvseite zu erkämpfen, um der
hinhaltenden Taktik Villaret-Joyeuses ein Ende zu machen. Seine
Auffassung wurde nicht von allen Flaggoffizieren geteilt: Vizeadmiral
Lord Hood - möglicherweise in Antizipation der Absichten des
französischen Admirals - hatte schon in der Nacht für
eine Kursänderung nach Ost-Südost plädiert,
um die Suche nach dem Konvoi wieder aufzunehmen. Dies hätte
Villaret-Joyeuse in der Tat dazu gezwungen, zum Schutze des Konvois die
Briten zu verfolgen und anzugreifen.
Doch auch Lord Hood konnte nicht sicher sein, wo der begehrte
feindliche Konvoi stand. Seine Stimme fand auch wenig
Gehör und gegen 7:00 am Morgen des 29. Mai leitete Howe sein
Unternehmen mit einer allgemeinen Halse nach Osten ein, bei
stürmischem Wind und schwerer See.
Der Kurs seiner Flotte schnitt nun den Schlag der
französischen Flotte und schien erneut der Nachhut
Villaret-Joyeuses zu gelten.
Mit der CAESAR (80 - Anthony Molloy) , der QUEEN (98 - John Hutt,
Konteradmiral Gardner) und der RUSSELL (74 - John Willet Payne) an der
Spitze schickte sich nun Howe an, mit seinem Flaggschiff QUEEN
CHARLOTTE - als taktische Nummer 10 zwischen LEVIATHAN (74 - Lord Hugh
Seymour) und BELLEROPHON (William Hope, Konteradmiral Pasley)
eingebettet - persönlich in den Kampf einzugreifen.
Natürlich verfehlten die Spitzenschiffe der Briten die Nachhut
der Franzosen um Kabellängen und schnitten deren Kurs
lediglich achtern, was sie aber nicht davon abhielt, ihre Breitseiten
auf die französischen Schlusslichter abzufeuern.
Konteradmiral Villaret-Joyeuse erkannte nun die Absicht Howes,
zumindest mit einem Teil seiner Schiffe auf die Luvseite seiner Flotte
zu gelangen und reagierte darauf mit einem aggressiven Schachzug.
Es war gegen 8:00, als der französische Admiral seine Linie in
Reihenfolge wenden ließ, wobei die Spitzenschiffe im Lee
ihrer eigenen Flotte auf die vorgepreschten britischen Schiffe
herabstießen. In einiger Entfernung von der herannahenden
englischen Linie gingen die Franzosen auf Parallelkurs, mit der
MONTAGNARD (74 - Jean-Baptiste-Francois Bompart) an
der Spitze.
Die Spitzenschiffe beider Flotten näherten sich nun im spitzen
Winkel aneinander an und um 10:00 eröffneten sie das Feuer.
Dies war der eigentliche Beginn der Schlacht, obwohl diese ersten
Breitseiten infolge der großen Distanz fast wirkungslos
blieben.
Plötzlich scherte die englische INVINCIBLE (74 - Thomas
Pakenham) aus der Reihe und näherte sich schnell dem Gegner,
um dann mit einer erneuten Halse Bomparts Schiff anzugehen.
Die MONTAGNARD wurde auch das Ziel der Breitseiten von CAESAR, QUEEN,
RUSSELL, VALIANT und ROYAL GEORGE und in der Folge so arg zerzaust,
dass sie vor lauter Schäden ein bestimmtes Problem in ihrer
Takelage bis zum entscheidenden Moment nicht erkannte.
Einstweilen aber wehrte sie sich heftig, so dass auch die Briten nicht
ungeschoren davonkamen.
Gegen 11:30 plante Admiral Howe zum ersten Mal, seine Schiffe erneut
halsen zu lassen, um diesmal durch die Reihe des Gegners nach Luv
durchzubrechen und eventuell einen Teil der hinteren gegnerischen Linie
abzuschneiden. Doch war der Abstand zu den französischen
Schiffen für das Manöver noch zu
groß.
Eine Stunde lang segelten die beiden Linien weiter auf Parallelkurs und
das Feuer der Franzosen forderte zunehmend Opfer und Schäden
bei den Briten, wenn auch die Artillerie der Briten mindestens
Vergeltung üben konnte. Doch auf diese Weise konnten die
Briten die Schlacht unmöglich entscheiden, weil die
französischen Schiffe im Luv stehend die Distanz zum Gegner
variieren konnten und damit schlicht die bessere Position hatten.
Howe verlor als erster die Nerven und entschloß sich, nun den
Durchbruch zu wagen. Er ließ das Signal mit dem Befehl
auswehen... und löste damit ein Chaos aus.
Denn erstens war dieses Manöver mit den Kapitänen der
Flotte nie zuvor abgestimmt worden, zweitens sorgte der Pulverdampf des
schweren Gefechtes für erhebliche Sichtbehinderungen und
drittens waren nur wenig Schiffe durch die Distanz zum Gegner,
die Windverhältnisse und die starke Luvstellung der
Franzosen überhaupt in der Lage, den Befehl
auszuführen.
Das Führungsschiff CAESAR (80 - Molloy) zum Beispiel blieb
praktisch stehen, wurde von acht anderen Schiffen, die das Signal nicht
gesehen hatten, überholt und war nicht in der Lage,
das Schiff soweit herum zu bringen, um Howes Befehl
auszuführen. Molloy mußte am Ende auch die
ORION (74 - John Thomas Duckworth) und die MAJESTIC (74 - Charles
Cotton) an sich vorbei ziehen lassen, ohne ansatzweise in der Lage zu
sein, die französische Linie zu erreichen.
|
British Warships in the Age of Sail 1793-1817
|
Auch die QUEEN (98 - Konteradmiral Gardner) blieb zunächst
liegen, machte dann aber so viel Raum, das sie immerhin die Linie der
Franzosen erreichte. Dort wurde sie jedoch Schiff um Schiff von der
Nachhut des Feindes passiert und auf's Korn genommen.
Es gelang dem englischen Schlachtschiff deswegen nicht, die Linie zu
durchbrechen und die Luvstellung zu erobern. Außerdem riss
eine Kanonenkugel Kapitän Hutt das Bein weg. Die
QUEEN blieb manövrierunfähig liegen und geriet in
große Probleme.
Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) und die VALIANT (74 - Thomas
Pringle) verloren zwar Fahrt, konnten sich aber ebenfalls der
französischen Linie nicht nähern.
Hoods Flaggschiff ROYAL GEORGE (100 - William Domett) und der
INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) gelang zwar die Wende, doch der
Versuch des Durchbruchs scheiterte. Hood gelang es aber
wenigsten, die beiden französischen Schlußlichter
TYRANNICIDE (74 - Dordelin) und INDOMPTABLE (80 - Lamel) in ein
schweres Gefecht zu verwickeln.
Zwar verfehlte er das befohlene Ziel des Durchbruchs, der englische
Zweitkommandierende drohte aber immerhin, die beiden
französischen Schlachtschiffe durch das Gefecht abzuschneiden.
Da und dort kam es zu kurzfristigen Zweikämpfen englischer
Schiffe gegen gleich mehrere Gegner und namentlich die beiden
großen französischen Begleitfregatten BRUTUS (50)
und SCEVOLA (50) nahmen die Briten mit glühenden Kugeln unter
Feuer. So mußten auf der INVINCIBLE gleich mehrfach
entstehende Brände gelöscht werden.
Admiral Howe erkannte indessen die Probleme, in die er viele seiner
Schiffe gebracht hatte, ließ die QUEEN CHARLOTTE wenden und
steuerte, gefolgt von der BELLEROPHON und der LEVIATHAN, auf Gegenkurs
die französische Linie an.
Wie schon zuvor folgten ihm nur einige Schiffe, andere dagegen kamen
bestenfalls verzögert oder gar nicht herum. Es herrschte ein
kaum zu beschreibendes Chaos in der englischen Linie, dass aber
offensichtlich die französischen Kommandanten
gleichermaßen verwirrte.
Vielleicht gelang Howe deswegen, gegen alle widrigen
Bedingungen knapp hinter der EOLE (74 - Bertrand Keranguin), dem
sechstletztem Schiff der französischen Aufstellung, in die
Linie des Gegners einzubrechen.
Die BELLEROPHON schnitt den französischen Kurs vor dem
drittletztem Schiff des Feindes, der TERRIBLE (110 - Pierre-Jacques
Longer), die LEVIATHAN aber erlitt einen Volltreffer am Steuerrad und
konnte lediglich zu den inzwischen stark bedrängten
TYRANNICIDE und INDOMPTABLE stoßen.
Howe ließ nun die QUEEN CHARLOTTE wieder wenden, gab den
Befehl zur allgemeinen Jagd und machte sich an die Verfolgung der
Franzosen, namentlich der angeschlagenen TERRIBLE. Gleichzeitig griffen
die ORION (74 - John Thomas Duckworth) und die BARFLEUR (98 - Cuthbert
Collingwood) unter Konteradmiral Bowyer in den Kampf gegen die beide
isolierten französischen Schlachtschiffe ein, deren
Kapitulation ohne Hilfe nur noch eine Frage der Zeit gewesen
wäre.
Dies war ein entscheidender Zeitpunkt dieses Tages. Hätte
Admiral Villaret-Joyeuse seinen Kurs beibehalten und Howes kleines
Geschwader wäre ihm gefolgt, wäre die englische
Flotte auseinander gerissen worden.
Dann hätte sich die französische Flotte, noch immer
in der vorteilhaften Luvstellung, auf die vorgepreschten englischen
Schiffe stürzen können und möglicherweise
wäre auf diese Weise der Verlust der TYRANNICIDE und
INDOMPTABLE durch einen französischen Sieg in einer Schlacht
kompensiert worden. Wesentlich wichtiger wäre aber der Effekt
für den Handelskonvoi gewesen, der im Mittelpunkt der
französischen Überlegungen stand. Eine zerstreute
britische Flotte wäre sicherlich eine geringere Gefahr
für diese wertvollen Schiffe gewesen.
Doch offensichtlich wollte Villaret-Joyeuse seine beiden Linienschiffe
nicht ihrem Schicksal überlassen und kam ihnen doch zur Hilfe,
mußte dafür aber einen großen taktischen
Vorteil aufgeben.
Er ließ seine Linie in Reihenfolge wenden, was seinen
Schiffen aber wertvollen Luvraum kostete. Auch konnte die MONTAGNARD
das Manöver nicht durchführen, weil ihre
Großrahe unbemerkt beschädigt worden war und sich
nun verklemmte. Kapitän Bompart ließ
indessen nicht beidrehen und reparieren, sondern setzte seinen Kurs
fort, weg von beiden Flotten.
Die QUEEN CHARLOTTE, lediglich gefolgt von der BELLEROPHON, sah nun die
gegnerische Flotte erneut auf sich zukommen und wurde von den vorbei
gleitenden “Perlen” der französischen
Kette schwer beharkt, wenn auch auf größere Distanz.
Neben der Hilfe für seine bedrängten Schiffe zielte
der französische Admiral zweifellos auch auf Briten in
Bedrängnis, wie z.B. die in der schweren See rollende QUEEN
oder die sichtlich behinderte INVINCIBLE.
Doch Villaret-Joyeuses Manöver hatte den natürlich
unintendierten Effekt, englische Schiffe, die durch das Chaos zuvor
eher wirkungslos herumirrten, wieder in die Schlacht einzubinden.
Die GLORY (98 - John Elphinstone) z.B. erwies sich dabei geradezu als
Scharfschützin für französische Toppmasten
und ihre Kolleginnen RAMILLIES (74 - Henry Harvey), MAJESTIC
(74 - Charles Cotton), DEFENCE (74 - James Gambier) und ROYAL
SOVEREIGN (100 - Henry Nichols) nahmen Villaret-Joyeuses Schiffe ebenso
dankbar auf's Korn.
Sie konnten aber trotzdem nicht verhindern, dass der
französische Chef sein Ziel erreichte und die Franzosen die
TYRANNICIDE (74 - Alain-Joseph Dordelin) und die INDOMPTABLE (80 -
Lamel) aus ihrer isolierten Position befreiten.
Gegen 17:00 verstummten die Kanonen, denn beide Seiten verharrten
zunächst in ihren Positionen, versuchten ihre zerstreuten
Schiffe wieder in Linie zu bringen und intensivierten die
Reparaturarbeiten. Es zeigte sich nun, dass die Briten die
Luvstellung erobert hatten und vor allem, dass sie diese Stellung
halten konnten. Im Laufe des Abends vergrößerte sich
der Abstand zwischen den beiden Flotten erheblich und mit
Sonnenuntergang kam dann dichter Nebel auf.
Das erste schwere Gefecht der mehrtägigen Schlacht war damit
beendet. Auf beiden Seiten hatten jedoch infolge der chaotischen
Schlachtordnungen nur jeweils rund die Hälfte der Schiffe am
Gefecht teilgenommen.
Auf 14 Schiffen hatten die Engländer
größere Schäden und Verluste zu
verzeichnen, insgesamt starben 67 Briten, 127 Männer
fielen durch Verwundungen aus. Dabei hatte besonders die QUEEN
gelitten, die 22 Tote und 27 Verwundete hatte. Nach ihr waren besonders
die ROYAL GEORGE und die INVINCIBLE betroffen

Tatsächlich hatte Villaret-Joyeuse während des
Gefechtes sein zweites Schiff verloren und zwar auf
ungewöhnliche Weise: Die MONTAGNARD hatte, wie bereits
erwähnt, infolge ihrer Schäden am
überraschenden Wendemanöver der
französischen Flotte nicht teilnehmen
können. Sie hatte vermutlich mehr oder weniger durch den Zwang
der Umstände ihren Kurs fortgesetzt, bis sie außer
Sicht geriet und nicht mehr zur Flotte zurückfand.
Noch am Abend des 29.Mai schickte der französische
Oberbefehlshaber die Fregatte SEINE (40) hinter seinem verlorenen
gegangenen Linienschiff her, doch obwohl die SEINE den "verlorenen
Sohn" schließlich wirklich fand, so fanden nun beide Schiffe
im Nebel des Atlantik nicht mehr zurück. Dafür - so
war das damals auf See - fand die MONTAGNARD
zufällig Konteradmiral Vanstabel und den von ihm
beschützten Konvoi.
In der Nacht zum 30. Mai stieß dafür ein
verirrtes Linienschiff aus dem Geschwader von Konteradmiral Cornice
(Rochefort) eher aus Versehen zur französischen Flotte: Die
TRENTE UN MAI (74), übersetzt 30. Mai (!), unter
Kapitän Honore Ganteaume ersetzte damit den Verlust der
MONTAGNARD.
Und das französische Glück hielt an:
Am nächsten Tag, ungeachtet der miserablen
Sichtverhältnisse, fand Konteradmiral Nielly
mit seinem Flaggschiff SANS PAREIL (80 -
Jean-François Courand) und den Linienschiffen
TRAJAN (74 - Dumourier) und TEMERAIRE (74 - Morel) die
französische Flotte.
Villaret-Joyeuse konnte es sich sogar leisten, die im Gefecht des 29.
Mai schwer angeschlagene INDOMPTABLE (80 - Lamel) unter dem Schutz der
MONT BLANC (74 - Thevenard) nach Frankreich zu schicken. Er
gebot trotzdem wieder über die volle Kampfkraft von 26
Schlachtschiffen und von zwei großen Fregatten nebst einigen
kleineren Schiffen.
|
Rodney and The Breaking of the Line Am 12. April 1782 schlug die englische Flotte unter Admiral Lord George Rodney die französische Flotte bei den Iles des Saintes durch ein neuartiges Manöver, den Durchbruch durch die feindliche Linie. Dieses Buch beschreibt die Karriere des sehr umstrittenen Schöpfers des Manövers, das Howe versuchte und Nelson bei Trafalgar 1805 dann gelang. Die berühmte Schlacht bei den Saints wird im Detail untersucht. |

Am Morgen des 1. Juni 1794 stand die englische Flotte mit Kurs Nordwest
bei 47° 48' nördlicher Breite und 18° 30' westlicher
Länge. Die See war ruhig, es wehte eine
mäßige Brise aus Südwest und auf der
Leeseite der Briten, in rund sechs Meilen Entfernung, war die
französische Flotte gut zu sehen.
Gegen 5:00 ließ Howe seine Schiffe enger
zusammenschließen und gegen 6:15 begannen die Briten, jetzt
auf Nordkurs, sich der französischen Linie zu nähern.
Der englische Admiral plante erneut, in die Linie des Gegners
einzubrechen und in Duellen auf kürzeste Distanz die
Entscheidung zu suchen.
Gegen 7:00 ließ er Essen an die Besatzungen austeilen und
gegen 8:00 setzten die Briten alle möglichen Segel und nahmen
Kurs auf die französische Linie.
Villaret-Joyeuse hatte inzwischen seine Linienschiffe ebenfalls zu
einer Linie geformt und die Franzosen erwarteten die Engländer
wie an einer Perlenkette aufgereiht in Schlachtordnung.
Die Vorhut wurde kommandiert vor Konteradmiral Bouvet, der seine Flagge auf die TERRIBLE transferiert hatte.
Die Nachhut stand unter dem Kommando des erst jüngst
eingetroffenen Konteradmiral Nielly, der wiederum seine Flagge auf der
REPUBLICAIN setzte.
Hier die Reihenfolge der Schiffe in der französischen Linie:
TRAJAN (74 - Dumourier), EOLE (74 - Bertrand Keranguin), AMERICA (74 -
Louis L'Héritier) , TEMERAIRE (74 - Morel),
TERRIBLE (110 - Pierre-Jacques Longer, Flagge von Konteradmiral
Francois Bouvet) , IMPETUEUX (74 - Douville) , MUCIUS (74 - Larregny),
TOURVILLE (74 - Langlois), GASPARIN (74 - Tardy), CONVENTION (74 -
Joseph-Allary), TRENTE UN MAI (74 - Honore Ganteaume),
TYRANNICIDE (74 - Alain-Joseph Dordelin) , JUSTE (80 - Blavet),
MONTAGNE (120 - Jean-Francois Vignot, Flaggschiff von Konteradmiral
Louis-Thomas Villaret-Joyeuse), JACOBIN (80 - Gassin), ACHILLE (74 -
Jean-Noel La Villegris), VENGEUR (74 - Renaudin), PATRIOTE (74 -
Lucadore), NORTHUMBERLAND (74 - François-Pierre Etienne),
ENTREPRENANT (74 - Antoine Lefrancq), JEMMAPPES (74 - Desmartis),
NEPTUNE (74 - Tiphaine), PELLETIER (74 - Claude René
Berard), REPUBLICAIN (110 - Pierre-Mandé Lebeau , Flagge von
Konteradmiral Nielly), SANS PAREIL (80 - Jean-François
Courand), SCIPION (80 - Huguet). Am Ende und im Lee der Linie
standen jedenfalls die Fregatten, u.a. die BRUTUS (50) und die TAMISE.
Letztere war repeater (Signalstation) für das
französische Flaggschiff.

Die beiden Linien näherten sich nun im spitzen Winkel und
um 8:38 gab Howe den Befehl zum Angriff. Jedes Schiff sollte
die feindliche Linie durchbrechen und das Schiff, das seiner eigenen
taktischen Nummer entsprach, von Lee her unter Feuer nehmen, also
idealerweise die taktische Nummer 1 gegen die Nummer1 in der Linie der
Franzosen, 2 gegen 2 und so weiter.
Doch die Schiffe in der Linie waren unterschiedlich schnell, wodurch
die ausgeklügelte Reihenfolge in Unordnung zu geraten drohte.
Einige Schiffe, namentlich BRUNSWICK, CAESAR, RUSSELL, GIBRALTAR und
CULLODEN, versuchten durch das Backbrassen ihrer Toppsegel
die diesem Moment nicht gerade angepasste Korrektur der
Marschordnung herbeizuführen - offensichtlich erneut
ein Missverständnis zwischen Oberbefehlshaber und
Kommandanten, das Howe wiederum zu Signalen für mehr Segel und
mehr Fahrt zwang.
Gegen 9:30 eröffneten die französischen
Spitzenschiffe das Feuer auf große Distanz, wobei sie
speziell die DEFENCE aufs Korn nahmen, die infolge der britischen
Manöverprobleme vorgeprescht war.
Durch die angestrebten und keinesfalls immer erfolgreichen Korrekturen
in der englischen Linie wurde einige Schiffe länger dem Feuer
der französischen Breitseiten ausgesetzt als notwendig gewesen
wäre. Der Admiral selbst hoffte nun durch seinen Angriff ein
Beispiel zu setzen.
Howe auf seinem Flaggschiff QUEEN CHARLOTTE (100) hatte sich das
französische Flaggschiff MONTAGNE (120) ausgeguckt, wobei
zufälligerweise beide Schiffe die taktische Nummer 14 in ihrer
Linie darstellten. Der englische Oberbefehlshaber ließ sein
100-Kanonen-Schiff überfallartig härter an den Wind
bringen, stürzte sich auf die MONTAGNE und zielte
mit seinem Kurs hinter ihr Heck.
Bei diesem Manöver geriet die QUEEN CHARLOTTE aber unter den
Beschuss der VENGEUR (74 - Renaudin), deren Kanonenkugeln das britische
Flaggschiff sehr unangenehm über den Steuerbordbug
penetrierten.
Die BRUNSWICK (74 - John Harvey), wieder mit mehr Segeln, schob sich
jedoch in die Schusslinie und deckte so den Angriff ihres Admirals.
Howe vergrößerte die Segelfläche,
ließ die VENGEUR (74 - Renaudin) hinter sich und geriet an
die ACHILLE (74 - La Villegris).
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man an Bord des englischen Flaggschiffes
die Breitseite für das französische Flaggschiff
aufgespart, nun aber krachten die Kugeln der ACHILLE in die
Eichenbohlen und das Gehölz des Briten. Deswegen gab Howe das
Feuer für das oberste und unterste Deck frei. Die
Artilleristen auf den beiden dazwischen liegenden Artilleriedecks aber
vernahmen die Salven über und unter ihnen und gaben ebenfalls
Feuer, gerade rechtzeitig, um die nach dwars achtern
zurückfallende ACHILLE mächtig mit ihren Treffern
durchzuschütteln.
Das Missverständnis erwies sich als vorteilhaft, denn die
gesamte Breitseite wurde in Rekordzeit neu geladen und war feuerbereit,
als die QUEEN CHARLOTTE (120) ungefähr die Höhe des
Hecks der MONTAGNE (120) erreicht hatte und nun in die Lücke
zwischen dem französischen Flaggschiff und der heranbrausenden
JACOBIN (80) stieß.
Die BRUNSWICK, die so viele für Admiral Howe gedachte Kugeln
gefangen hatte und auf deren Decks bereits Tote und Verwundete lagen,
bevor sie auch nur eine Kanone abgefeuert hatte, versuchte das selbe
Manöver im Zwischenraum zwischen der JACOBIN (80)
und der ACHILLE (74), doch letzteres Schiff schloss die Lücke
beim ersten Anzeichen des Durchbruchsversuchs.
Kapitän Harvey erkannte die Aussichtslosigkeit dieses
Manövers und zielte auf den Durchbruch hinter ACHILLE (74) und
der aufkommenden VENGEUR (74 - Renaudin). Kapitän Renaudin
aber ließ sich den Schneid nicht abkaufen und stellte sich
der angreifenden BRUNSWICK in den Weg. Die beiden Schlachtschiffe
krachten Breitseite an Breitseite gegeneinander und wurden von der
englischen Crew mit den Backbord-Ankern und schweren Wurfankern
verhakt. Während nun ein verbissenes, blutiges Duell
einsetzte, drehten beide Schlachtschiffe in den Wind und fielen aus der
Linie.
Das englische Spitzenschiff CAESAR (80 - Anthony Jason Pye Molloy)
suchte den Kampf mit dem französischen Spitzenschiff TRAJAN
(74 - Dumourier). Kapitän Molloy bevorzugte jedoch die
Luvposition für den Angriff, weil er befürchtete, im
Falle eines Durchbruchs hinter dem Heck des Gegners mit seinem
schnellen Schiff zu weit nach Lee getrieben zu werden.
So kam es zunächst zu einem Gefecht auf
größere Distanz, in dessen Verlauf dem englischen
Schiff der nicht seltene Unfall widerfuhr, dass eine ihrer
24-Pfünder-Kanonen explodierte, was zwei Männer
tötete sowie drei schwer verletzte.
Auch lagen ihre anderen Geschütze nicht gut, denn die TRAJAN
bekam nur wenige Treffer. Wegen ihres größeren
Abstandes zur feindlichen Linie konnte die CAESAR auch von der
Artillerie anderer Gegner gefasst werden (Was beim Duell auf
Pistolenschussweite wegen der Winkel nicht möglich
ist) Dabei bekam sie einen Treffer, der ihr Ruder blockierte.
In dem Bemühen den Schaden zu reparieren, fiel sie
zunächst zurück und wurde zum Ziel für jedes
passierende Feindschiff, wenn auch auf größere
Distanz.
Ihr Gegner TRAJAN hatte nun die Muße, sich mit der englischen Nummer 2 , der BELLEROPHON zu beschäftigen.
Konteradmiral Pasleys BELLEROPHON (74) arbeitete sich unter dem Feuer
der TRAJAN, der EOLE (74 - Keranguin) und der AMERICA (74 - Louis
L'Héritier) bis auf kürzeste Distanz an
die französische Nr. 2 , die EOLE (74 -
Keranguin), heran und begann ein intensives Artillerieduell,
in das die TRAJAN wegen der geringen Kampfdistanz (s.o.) nur sporadisch
eingreifen konnte.
Die AMERICA bekam es mit der LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) zu tun.
Beide Schiffe begannen ein heftiges Duell auf kurze Distanz, wobei eine
Kanone der AMERICA sozusagen mit dem ersten Schuss explodierte und ihre
gesamte Bedienung in den Tod riss, ein schlimmes Omen.
Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) attackierte den für sie
bestimmten Kontrahenten, die TEMERAIRE (74 - Morel). Nach nur wenigen
Minuten knickte der Vortoppmast von Paynes Schiff nach vorne weg und
hing nach unten in den Vormast durch, was die Segelmanöver der
RUSSELL stark behinderte. Offensichtlich um Nutzen daraus zu ziehen,
ließ Kapitän Morel sein Schiff weiter nach Lee
abfallen, um die Briten abzuschütteln, doch die RUSSELL konnte
ihrem Gegner zunächst folgen.
Die beiden Befehlshaber der englischen und französischen
Vorhut, Vizeadmiral Graves auf der ROYAL SOVEREIGN (100 -
Henry Nichols) und Konteradmiral Bouvet auf der TERRIBLE (110 -
Pierre-Jacques Longer) prallten im Duell der Dreidecker aufeinander,
freilich auf recht große Distanz. Trotzdem wurde nach nur
wenigen Minuten Gefecht Graves schwer verletzt. Trotz dieses schlechten
Auftaktes gelang es Nichols, der das Kommando übernahm, sein
Schiff näher an den Gegner zu bringen.
Die MARLBOROUGH (74 - George Cranfield Berkeley) war eines der wenigen
englischen Linienschiffe, das gegen die IMPETUEUX (74 - Douville) die
Befehle Admiral Howes Wort für Wort befolgte bzw. zur
Ausführung in der Lage war. Sie ging hinter dem Heck von
Douvilles Schiff vorbei, schob sich auf kürzeste Distanz an
die Leeseite des Gegners und eröffnete die Kanonade.
Nur wenige Minuten später schob sich auf ihrer Leeseite
wiederum die MUCIUS (74 - Larregny) heran, die offensichtlich
die DEFENCE (74 - James Gambier), die sie angegriffen hatte,
ausgesegelt hatte. So mußte denn die MARLBOROUGH die Kanonen
auf beiden Seiten zu bedienen.
|
Napoleonic Naval Armaments 1792-1815 (New Vanguard) von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen) Sprache: Englisch Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey - Erscheinungsdatum: Mai 2004
Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten. |
Die DEFENCE (74 - James Gambier) hatte das befohlene
Manöver ebenfalls mustergültig ausgeführt
und war zwischen MUCIUS und TOURVILLE (74 - Langlois)
durchgebrochen, doch die MUCIUS fügte Gambiers Schiff schwere
Treffer zu.
Dann segelte Larregny der DEFENCE davon, um in das Gefecht gegen die
MARLBOROUGH einzugreifen. Dafür kamen von hinten gleich
mehrere feindliche Linienschiffe, die keine Gegner gefunden hatten, auf
den angeschlagenen Briten zu.
Der Grund: IMPREGNABLE (98 - Konteradmiral Caldwell,
Westcott) , TREMENDOUS (74 - James Pigott), BARFLEUR (98 -
Konteradmiral Bowyer, Collingwood) , CULLODEN (74 - Isaac
Schomberg) und GIBRALTAR (80 - Thomas Mackenzie) waren weit davon
entfernt, die französische Linie zu erreichen und hatten auf
größere Distanz ihre Gegenspieler wenig beeindrucken
können. Dies brachte die DEFENCE in einer schwierige Lage.
Immerhin aber erreichte die ebenfalls in der oben genannten Linie
segelnde INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) die JUSTE (80 - Blavet) und
setzte Blavets Schiff mächtig zu. Ob aus diesem Grund oder
schlicht, weil sie schneller war, die JUSTE ließ Pakenham
bald hinter sich und griff in die Kämpfe ein, die vor ihr in
der Linie tobten.
Hinter dem britischen Flaggschiff und ihrem "Leibwächter", der
BRUNSWICK, hatte die VALIANT erfolgreich ihren Durchbruch vor dem Bug
der PATRIOTE (74 - Lucadore) vollzogen und traf auf die ACHILLE, die
noch an der schmetternden Breitseite durch das englische Flaggschiff
laborierte.
Die Kanoniere der VALIANT erwiesen sich als erstaunlich fixe und
zielsichere Schützen, denn mit lediglich drei oder vier
Breitseiten schossen sie der ACHILLE Besan- und Hauptmast herunter. Die
riesigen Stengen fielen der Länge nach auf das
französische Linienschiff und ließen es in den Wind
schießen. Während die ACHILLE abtrieb, arbeitete
sich die VALIANT weiter nach vorn.
Die ORION (74 - John Thomas Duckworth) und die QUEEN (98 -
Konteradmiral Gardner) stürzten sich auf die
PATRIOTE (74 - Lucadore) und NORTHUMBERLAND (74 - Etienne).
Die QUEEN, noch vom zweiten Tag der Schlacht gezeichnet, bekam jedoch
schon bei der Annäherung böse Treffer ins
Gehölz und in die Takelage und konnte nicht mithalten. Sie
geriet an die JEMMAPPES (74 - Desmartis), nicht aber ohne der
NORTHUMBERLAND (74) noch einige Zentner Eisen ins Schiff zu
legen und mindesten einen Mast zu Fall zu bringen.
Die 98 Kanonen und die am 29. Mai gewonnene Praxis ihrer Kanoniere bewährten sich: Die
QUEEN schoss auch Desmartis Schiff sehr schnell lahm, doch der
bereits angeschlagene englische Dreidecker wurde im Feuer der JEMMAPPES
nun selbst manövrierunfähig.
Die ORION , kurzfristig mit der PATRIOTE beschäftigt, kam auf
gleiche Höhe mit Kapitän Etiennes Schiff und beendete
das, was die QUEEN begonnen hatte: Sie entmastete die
NORTHUMBERLAND mit nur wenigen Breitseiten völlig. Das
französische Linienschiff fiel aus der Linie und trieb hilflos
nach Lee.
Die RAMILLIES (74 - Henry Harvey) kam zunächst nicht nahe
genug an die französische Linie, um mit ihrer Breitseite
wirkungsvoll zu sein. Sie sollte aber später in einen der
dramatischsten Zweikämpfe des Tages eingreifen.
ALFRED (74 - John Bazely), MAJESTIC (74 - Charles
Cotton) und THUNDERER (74 - Albemarle Bertie) ging es
ähnlich wie der RAMILLIES.
Die MONTAGU (74 - Montagu) geriet immerhin in ein kurzes, aber heftiges
Gefecht mit der NEPTUNE (74 - Tiphaine), aber Schäden in der
Takelage des einen oder des anderen Kontrahenten rissen die
Kämpfer wieder auseinander. Die wenigen Breitseiten der
NEPTUNE hatten jedoch gereicht, Kapitän James Montagu, Bruder
des oben erwähnten Konteradmirals, in Stücke zu reißen. Sein Schiff, nun unter dem Kommando von Leutnant Donelly, konnte danach nur noch wenig in die Schlacht einbringen.
Dafür kamen die ROYAL GEORGE (100 - Vizeadmiral
Hood, Domett) und die GLORY (98 - John Elphinstone) -
ausgerechnet die beiden langsamsten Schiffe der ganzen britischen Linie
- zum Durchbruch und in schweres Gefecht.
Die ROYAL GEORGE erkämpfte sich die Lücke zwischen
Konteradmiral Niellys REPUBLICAIN (110 - Lebeau ) und der
SANS PAREIL (80 - Courand), wurde in ein hitziges
Duell mit den beiden Dreideckern verwickelt und setzte insbesondere dem
Flaggschiff Niellys schwer zu...
Die GLORY (98 - John Elphinstone), inzwischen das
Schlusslicht der englischen Linie, hängte sich hinter die
SCIPION (80 - Huguet) und stellte sie befehlgemäß
auf ihrer Leeseite. Für das französische Schlusslicht
brachen nun schwere Zeiten an.
Die QUEEN CHARLOTTE unter Admiral Howe hatte sich inzwischen hinter das
Heck der MONTAGNE gesetzt und passierte dies in Pistolenschussdistanz,
wobei ihre Backbordbreitseite dem Gegner das "major punishment" gab,
eine Breitseite in den verwundbarsten Teil des Schiffes. Die Kugeln
insbesondere der größeren Kaliber zogen dabei der
Länge nach ihre Bahn durch das getroffene Schiff und
entfalteten die höchstmögliche Wirkung gegen Material
und Menschen, wobei letztere besonders durch Holzsplitter betroffen
waren.
Das Heck des französischen Dreideckers wurde völlig
zerschmettert, der Eisenhagel wütete insbesondere unter den
Offizieren auf der Kampanje.
Konteradmiral Villaret-Joyeuse wurde nur knapp verfehlt, sein
Flaggkapitän Bazire neben ihm und zwei Leutnants wurden
getötet, weitere Offiziere verwundet. Der Kommissar des
Nationalkonvents, Jean-Bon Saint-Andre, überstand dieses
Massaker mit einer angeblich unbedeutenden Wunde an der Hand, begab
sich unter Deck und erschien bis zum späten Nachmittag nicht
mehr.
Die QUEEN CHARLOTTE hatte eine für einen Zweikampf sicherlich ideale Position erreicht.
Aber direkt vor dem Bug des britischen Flaggschiffs hatte sich
inzwischen die aufgerückte JACOBIN geworfen, die zwar ihr
Flaggschiff vor der fürchterlichen Breitseite nicht hatte
retten können, aber den Durchbruch des feindlichen Dreideckers
hatte unterbinden wollen. Nun sah Kapitän Gassin den Bug des
englischen Flaggschiffes auf seine Backbordseite zukommen, als wollte
Howe die Jacobin rammen und es sah sogar so aus, als habe der englische
Master (Segelmeister) Bowen, dem die Ausführung des
Durchbruchsmanöver unterstand, exakt den Augenblick abgepasst,
dem französischen 80-Kanonen-Schiff das Ruder weg zu rammen.
Um dieser Gefahr zu entgehen, ließ Kapitän Gassin
die JACOBIN stärker vom Wind weg drehen und entfernte sich
wieder von der MONTAGNE. Dies hatte Master Bowen antizipiert und
bereits Ruder gelegt, um die QUEEN CHARLOTTE stärker in den
Wind zu bringen, leewärts neben die MONTAGNE und
hinter dem Heck der abdrehenden JACOBIN.

Das Ergebnis dieses Manövertraums eines jeden Kommandanten war
eine doppelte, erneut verheerende Breitseite, sowohl in die
Steuerbordseite des französischen Flaggschiffes als auch in
das Backbordheck und Achterdeck der JACOBIN.
Innerhalb von einer Viertelstunde kostete dieses Manöver mehr
als hundert französische Leben, während an die 200
Männer verwundet wurden.
Während die QUEEN CHARLOTTE der zeitweise bekalmten JACOBIN,
auf der man nun mehr Tuch aufzog, eine weitere Breitseite in das
Achterdeck jagte, gelang es den Kanonieren der MONTAGNE immerhin, dem
feindlichen Flaggschiff einen Toppmast wegzuschießen.
Dann setzte sich Villaret-Joyeuses Flaggschiff von Earl Howes Schiff ab, mühsam gefolgt von der JACOBIN.
Die QUEEN CHARLOTTE folgte der JACOBIN ebenso mühsam und fand
sich unversehens zwischen der JACOBIN (80) und der JUSTE (80 - Blavet),
dem Vordermann der MONTAGNE in der französischen Linie.
Letztere segelte knapp voraus.
Das englische Flaggschiff war somit ganz allein unter Feinden, denn
weder BRUNSWICK noch GIBRALTAR, ihre Hintermänner in der
Linie, hatten den Durchbruch geschafft. Wie der Historiker William
James richtig bemerkt, verpassten die Franzosen hier die Chance, das
Flaggschiff der Briten zu erobern oder niederzukämpfen. In
Anbetracht der 1794 offensichtlich noch mangelnden Kohäsion
und Koordination englischer Kommandanten - Nelsons Zeit sollte erst
noch kommen - hätte dies zu einem französischen Sieg
führen können.
Die Chance ging vorbei, JACOBIN und MONTAGNE setzten sich von der QUEEN
CHARLOTTE ab, die in einem wütenden Duell mit der JUSTE
verbissen war. Die INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham), zuvor
noch von der JUSTE abgehängt, fand ihren Kontrahenten jetzt
jedoch wieder, setzte sich hinter dessen Heck und bestrich
Kapitän Blavets Schiff der Länge nach.
Zu diesem Zeitpunkt signalisierte Admiral Howe nach einem Rundblick auf
das treibende Kleinholz des Zusammenpralls beider Flotten, man
möge nun die Prisen sichern. Wenn auch der Durchbruch gescheitert war, so schienen immerhin die englischen Kanoniere besser gezielt zu haben. Der englische Oberkommandierende
war in diesem Moment davon überzeugt, einen großen Sieg in dieser Schlacht zu erringen. Sein Signal wurde jedoch wenig beachtet, weswegen den Briten am Ende mindestens drei, wenn nicht fünf feindliche Linienschiffe entwischten.
Eines der blutigsten und dramatischsten Duelle dieser Schlacht
lieferten sich die BRUNSWICK und die VENGEUR, die aneinander gehakt aus
der Linie gefallen waren.
Auf der BRUNSWICK forderten das französische
Musketenfeuer und die 36-Pfünder-Karronaden auf der
Poop der VENGEUR einen großen Blutzoll unter den
Engländern. Die französische Munition bestand aus
Eisennägeln und anderen Metallteilen. Auch Kapitän
Henry Harvey wurde schwer verwundet, doch als sein Master ihn fragte,
ob man loswerfen solle, um klar vom Feind zu kommen, antwortete er
sinngemäß: "Nein, wir haben sie und wir halten sie
fest." (No. We have got her, and, we will keep her)
Weil die acht vorderen Geschützpforten der unteren Batterie
durch den Rumpf der VENGEUR blockiert wurden, wurden sie durch die
englische Crew einfach mittels Sprengsätzen weggefegt. Dann
feuerte man zunächst mit nicht ausgerannter Kanone, um
schließlich das Rohr durch das in die französische
Bordwand geschossene Loch zu schieben und weiter zu feuern.
Auf der anderen Seite kämpften sich französische
Musketenschützen bis auf den Bugspriet der BRUNSWICK vor, so
das die Briten für kurze Zeit mit Doubleshots aus den
Karronaden ihren eigenen Bug beschießen mußten.
Dies taten sie dann so gründlich, dass die todesmutigen
Angreifer in die See gefegt wurden, aber der Bugspriet gleich mehrfach
durchschossen wurde, sei es vom Gegner, sei es von eigenen Kugeln.
Gegen 11:00 warnten Beobachter auf der BRUNSWICK, dass sich ein
feindliches Schiff näherte und offensichtlich Anstalten
machte, zu entern, denn das Deck sei voller Männer.
Tatsächlich handelte es sich um die von der VALIANT fast
entmastete ACHILLE, auf der die Besatzung verzweifelt versuchte, das
Schiff wieder seetüchtig zu bekommen.
Auf der BRUNSWICK aber wurden nun die vorderen Kanonen der freien
Breitseite bemannt und ein intensives Abwehrfeuer setzte ein. Dabei
wurden wahrscheinlich die Reste des französischen Vormastes
weggeschossen. Später sollten einige Männer der
BRUNSWICK berichten, sie hätten mit ihren wenigen Salven die
ACHILLE entmastet, angesichts der schlechten Sichtverhältnisse
an Bord eines kämpfenden Linienschiffes eine nachvollziehbare
optische Täuschung.
Jedenfalls hatten die beiden anderen gestürzten Masten die
Breitseiten des Kriegschiffes derartig zerschmettert und blockiert, das
es wehrlos war. Auf Pistolenschussweite an die BRUNSWICK heran
getrieben und dann mit Doubleshots und Kartätschen malträtiert, kapitulierte
das französische Schlachtschiff.

Im Duell auf der anderen Seite der BRUNSWICK kontrollierte die VENGEUR
dagegen mit ihrem Musketen- und Karronadenfeuer praktisch das Oberdeck
des Engländers, während die Briten auf den unteren
Decks viele französische Kanonen demontiert hatten.
Die englischen Kanoniere schossen nun mit wechselnden
Erhöhungen, begünstigt durch das Rollen des
feindlichen Schiffes. Letzteres nützten die
Geschützführer, um entweder die Decks des Gegners mit
ihren Kugeln aufschlitzten, wobei auch viele Kugeln Löcher
unter der Wasserlinie schlugen, oder mit nach unten gerichteten Rohren
den Schiffsboden der VENGEUR zu perforieren, was zu zunehmenden
Wassereinbruch in die VENGEUR sorgte.
Auf dem Höhepunkt dieses Duells "Oben gegen Unten"
stieß dann die noch frische RAMILLIES unter Henry Harvey,
dem Bruder des Kommandanten der BRUNSWICK, zu den wütenden
Kämpfern.
Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wurde John Harvey von einem
Splittertreffer zu Boden geschleudert und zum zweiten Mal verwundet. Er
hatte sich kaum ein wenig erholt und seine nächsten Befehle
gegeben, als ihm ein weiterer Treffer fast den rechten Arm abriss.
Durch den Blutverlust geschwächt mußte er sein
Kommando an seinen Ersten Leutnant Edward Cracraft übergeben.
Mit der aufkommenden RAMILLIES (74 - Henry Harvey) änderte
sich nun die Situation des inzwischen 3 Stunden
währenden Zweikampfes grundlegend: Leutnant Cracraft
ließ die BRUNSWICK loswerfen, um der RAMILLIES die
Gelegenheit zu geben, ungehindert und mit frischen Kräften die
VENGEUR zu beschießen.
Kaum war die BRUNSWICK frei von der VENGEUR, nahmen die
beiden britischen Schlachtschiffe das Heck des Feindes
planmäßig unter Feuer, schossen dessen Ruder weg und
zerschmetterten den Rumpf unter der Wasserlinie derartig, dass man mit
dem bloßem Auge das in das Schiffe einströmende
Wasser sehen konnte.
Gegen 13:00 kapitulierte die geschlagene VENGEUR und die RAMILLIES
machte sich auf den Weg, die bereits weit abgetriebene und entmastete
ACHILLE in Besitz zu nehmen. Dies gelang ihr jedoch erst am Nachmittag
gegen 16:00, da die ACHILLE ein Notsegel gesetzt hatte.
Die BRUNSWICK, ohne intakte Boote, mit allen Masten angeschlagen und
wenig später mit einem über Bord gehenden Besanmast,
konnte der sichtlich sinkende VENGEUR nicht helfen. Da sie aufgrund
ihrer nurmehr fadenscheinigen Takelage nicht zur eigenen Flotte
stoßen konnte, nicht weit von ihr aber Villaret-Joyeuse mit
seinen Schiffen eine neue Linie aufgebaut hatte, versuchte die
BRUNSWICK aus eigener Kraft einen Hafen anzusteuern, während
die Crew alles in ihrer Macht tat, das Schiff seetüchtig zu
machen. Die BRUNSWICK erreichte auch später Plymouth ohne Unfall.
Dies ist um so beeindruckender, als das Schiff 44 Tote und 114
Verwundete zu beklagen hatte. 23 Geschütze waren ausgefallen,
alle Masten und die gesamte Takelage schwer beschädigt und
Teile von Heckaufbauten einfach von den Kugeln der VENGEUR
davongetragen worden.
Rund eine Stunde nach dem Ende des Gefechtes mit der VENGEUR
stieß die BRUNSWICK auf die von der weiter entfernt
sichtbaren QUEEN völlig entmastete JEMMAPPES, die angesichts
des herannahenden Schiffes einen Junion Jack über die Seite
legte und Zeichen machte, dass sie bereits gegenüber der QUEEN
kapituliert habe.
Deswegen ließ die BRUNSWICK das französische
Schlachtschiff in Ruhe - ein Fehler, wie sich später
herausstellen sollte, denn die JEMMAPPES wurde von den Franzosen
abgeschleppt.
Die CAESAR hatte sich mit blockiertem Ruder zurückfallen
lassen und wurde von vielen passierenden französischen
Schlachtschiffen beschossen. Als sie wieder klar wurde und sich an das
Schlacht heranarbeitete, war Letztere schon fast vorbei.
Molloys Schiff hatte nur wenig austeilen können,
dafür aber auf seiner der französischen Linie
zugewandten Steuerbordseite 64 Einschusslöcher. Durch
feindlichen Beschuss starben 14 Männer, 52 wurden verwundet, 7
Kanonen wurden außer Gefecht gesetzt und das
Besangehölz inklusive des Mastes selber war in kritischem
Zustand. Wegen seines unglücklichen, weil mangelnden
Engagements in der Schlacht verantwortete sich Molloy später
vor einem Kriegsgericht.
Nach rund zwei Stunden Duell zwischen der BELLEROPHON und den beiden
Franzosen EOLE und TRAJAN wurde Konteradmiral Pasley ein Bein
weggeschossen und er mußte unter Deck gebracht werden.
Kapitän William Hope setzte den Kampf eine weitere
Stunde fort und gegen Mittag wendete die EOLE, gefolgt von der TRAJAN
und brach das Gefecht ab, während die beiden
französischen Schlachtschiffe auf Gegenkurs gingen.
Offensichtlich schossen die Kanonen ihrer Steuerbordseite jedoch besser
als die bereits heiß geschossenen Geschütze an
Backbord, denn im Passieren rissen Keranguins und
L'Héritiers Kanoniere der BELLEROPHON zwei ihrer Toppmasten
weg.
Hopes Versuch, den Gegnern zu folgen, scheiterte am angeknickten
Hauptmast und der arg zerschossenen Takelage. Sein Schiff konnte nicht
mehr an den Wind gehen und er hatte auch keine intakten Boote mehr, um
es herum zu werfen. Deswegen signalisierte Hope der
Fregatte LATONA (38 - Edward Thornborough) , seinem Repeater, sie
möge zum Abschleppen kommen.
Kapitän Thornborough, der aus der Luvstellung schnell zur
Stelle war, ließ sich dabei die Gelegenheit nicht entgehen,
der EOLE und TRAJAN einige Breitseiten hinterher zu senden.
Mit 4 Toten und 27 Verwundeten war die BELLEROPHON am Ende
recht glimpflich aus dem dreistündigen Gefecht hervorgegangen.
Die LEVIATHAN hatte der AMERICA mittlerweile den Vormast weggeschossen
und die anderen Masten angeknickt, beide Schiffe lagen beigedreht im
Artillerieduell und die AMERICA war offensichtlich verloren, da
schienen die TRAJAN und die EOLE ihrer bereits geschlagenen Kameradin
zur Hilfe zu eilen.
Die LEVIATHAN mußte eine schmerzhafte Breitseite der beiden
feindlichen Schlachtschiffe nehmen, doch infolge der
unglücklichen Position der AMERICA kassierte das
französische Linienschiff friendly fire von ihren Kolleginnen
und zwar wortwörtlich, denn eine glühend gemachte
Kugel bohrte sich tief in das Holz ihres Rumpfes.
In Anbetracht des Nahens weiterer englischer Schiffe mußten
die Verursacher des Brandes, EOLE und TRAJAN, obendrein die AMERICA
zurücklassen und als wäre dies noch nicht genug der
Rückschläge für deren tapfer ausharrende
Besatzung, so legten die nächsten Salven von der LEVIATHAN
auch die beiden noch stehenden Masten um.
Zwei Drittel der Besatzung von L'Héritiers Schiff waren tot
oder verwundet, doch die Flagge wehte weiter an eine Maststumpf. Der
Sieger des Duells dagegen hatte "nur" Ausfälle von
10 Toten und 33 Verwundeten. Der LEVIATHAN blieb aber keine Zeit, eine
Übergabe abzuwarten, denn Admiral Howe rief per Signal um
Unterstützung.
Die wehende Trikolore indessen bekam der AMERICA schlecht, denn die
RUSSELL - abgehängt von der TEMERAIRE und nach kurzem Duell
mit der TRAJAN und EOLE - stieß auf das entmastete Schiff und
jagte dem wehrlosen Wrack mit der französischen Fahne zwei
Breitseiten ins Heck. Die Trikolore wurde eingeholt, eine
Prisenbesatzung zur AMERICA übergesetzt und schon
war die RUSSELL wieder unterwegs, um wie die LEVIATHAN den Befehlen des
Admirals zu folgen und eine neue Linie zu bilden. Das Leiden der
Besatzung der AMERICA aber war noch nicht beendet, wie man gleich sehen
wird.
Die TERRIBLE (110) hatte nach einem
einstündigem Kampf der Dreidecker gegen die ROYAL
SOVEREIGN zunächst ihren Vormast und dann ihren Besanmast
verloren. Dadurch wurde sie nahezu manövrierunfähig
und drehte bei dem Versuch, das Schiff zur Flucht herumzuwerfen, dem
Gegner bisweilen das Heck zu. Nichols Kanoniere nützten diese
Gelegenheit jedesmal aus, wenn sie sich bot und bestrichen den Gegner
der Länge nach.
Doch Villaret-Joyeuses MONTAGNE (120) und die
JACOBIN (80 - Gassin) kamen Konteradmiral Bouvet zur Hilfe
und führten ein halbstündiges Gefecht gegen den
englischen Dreidecker mit der Flagge von Konteradmiral Graves.
Die VALIANT (74 - Pringle) versuchte die ROYAL SOVEREIGN zu
unterstützen, war jedoch zu weit entfernt. Nichols
benötigte jedoch gar keine Hilfe, gab sich auch keine
Blöße und überzeugte die MONTAGNE
offensichtlich davon, dass sie den Zweikampf nicht würde
gewinnen können. Das französische Flaggschiff hielt
ab und Nichols Versuch der Verfolgung scheiterte an der mangelnde
Geschwindigkeit, der englische Dreidecker mußte beidrehen.
Als Admiral Howe dann ein Signal mit dem Befehl zur Sicherung der
gemachten Prisen setzen ließ, entdeckte die ROYAL SOVEREIGN
die treibende AMERICA, ohne zu wissen oder sich zu vergewissern, dass
die Hulk bereits von einer Prisenbesatzung besetzt war. Nachdem er eine
Breitseite in die treibende Hulk hatte jagen lassen, forderte
Kapitän Nichols die AMERICA zur Kapitulation auf. Unbeirrt von
der Antwort des Prisenoffiziers von der RUSSELL schickte er dann
seinerseits eine Prisenbesatzung auf das geschlagene
französische Schiff und ließ die
Mannschaft von der RUSSELL zurück zu ihrem mittlerweile weit
entfernten Schiff rudern - Nichols handelte damit nach bester Tradition
englischer Freibeuter, wie Payne später gesagt haben soll.
Am Ende des Tages zählte man auf der ROYAL SOVEREIGN 14 Tote
und 43 Verwundete, eine Zahl an Opfern, die in keinem
Verhältnis zu den zahlreichen
Einschußlöchern im Rumpf stand.
Die MARLBOROUGH (74 - Berkeley) hatte im Gefecht gegen die IMPETUEUX
(74 - Douville) auf der einen Seite und der MUCIUS (74 - Larregny) auf
der anderen Seite zunächst ihren Besanmast verloren. Sie
revanchierte sich, indem sie der MUCIUS einen Untermast nach dem
anderen knickte und - während ihr eigener Vormast und dann
sogar ihr Hauptmast über Bord gingen - die IMPETUEUX wie zur
Vergeltung ebenfalls völlig entmastete.
Als auch noch die MONTAGNE, die gerade Lord Howes Schiff
abgeschüttelt hatte, zu diesem Gefecht stieß, schien
das Schicksal des schwer bedrängten Briten besiegelt. Im Feuer
von drei französischen Linienschiffen wurde Kapitän
Berkely schwer verwundet und mußte sein Kommando an Leutnant
Monkton übergeben. Dieser durfte aber beobachten, wie die
MONTAGNE sich wieder entfernte.
Den vereinten Kräften von MUCIUS und
IMPETUEUX gelang es jedoch nicht, die MARLBOROUGH zu überwinden. Im Gegenteil
ergriff am Ende die MUCIUS, die behelfsmäßig
Leinwand an den Stummeln ihrer Masten setzen konnte, die Flucht.
In Anbetracht des Verlaufs der Schlacht mußte sie die
vollkommen manövrierunfähige IMPETUEUX
zurücklassen, um nicht selbst in die Hände der Briten
zu fallen. Leutnant Monkton auf englischer Seite mußte aber die
Fregatte AQUILON zur Hilfe rufen, um die zerschossenen MARLBOROUGH
abschleppen zu lassen.
|
Historischer Schiffsmodellbau
|
Ein Überblick über das Schlachtfeld hatte Villaret-Joyeuse verraten, dass es nicht gut stand.
Mindestens 10 seiner Schiffe lagen schwer behindert oder hilflos hinter
ihm, aber auch die englischen Schiffe hatten sich über das
ganze Schlachtfeld versprengt.
Der französische Oberkommandierende setzte sich nun mit der
MONTAGNE an die Spitze einer von ihm neu gebildeten Linie mit rund
einem Dutzend Schiffe, in deren Mitte die Havaristen TERRIBLE und
REPUBLICAIN in Schlepp genommen wurden. Dann segelte die
französische Phalanx auf gleicher Linie zurück. Die
Mission dieses Kommandos bestand im Aufsammeln hilfloser Schiffe,
welcher Nationalität auch immer.
Die QUEEN hatte durch hektische Reparaturen leidlich
Manövrierfähigkeit zurückgewonnen und
versuchte nun, die eigene Flotte zu erreichen. Doch die neue
französische Schlachtlinie kam nun direkt auf Konteradmiral
Gardners Schiff zu.
Admiral Howe erkannte die gefährliche Situation
für die QUEEN und ließ sein Flaggschiff
herumwerfen, während er mittels Signalen Hilfe herbei rief.
Dann sammelte er hinter sich ebenfalls eine neue Formation, u.a.
bestehend aus den frischen Schlachtschiffen BARFLEUR (98)
und THUNDERER (74) sowie aus ROYAL SOVEREIGN (100)
, VALIANT (74) und LEVIATHAN (74) und weiteren Schiffen, die auf dem
Weg dazu stießen
Zwar konnte Howe nicht vermeiden, das die französische Linie
die QUEEN im Passieren beschoss, bei welcher Gelegenheit
sogar die von drei Fregatten gezogene TERRIBLE ihre
Breitseite abfeuerte, doch zwangen die aufkommenden Briten
die französischen Schiffe so weit nach Lee, dass die Distanz
zur QUEEN schließlich doch recht groß ausfiel.
Weil das Flaggschiff Gardners auf den französischen Beschuss
kaum antwortete , warfen zwei der französischen
Fregatten die Leinen von der TERRIBLE los und trachteten
danach, die vermeintlich hilflose Beute in Besitz zu nehmen. Sie wurden
aber peinlich von der Breitseite des englischen Dreideckers
überrascht, entgingen glücklich dem
Verderben und kehrten zu ihren Schlepperdiensten
zurück.
|
The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War, 1793-1798 (The Naval Chronicle , No 1)
|
Villaret-Joyeuses Männer konnten zwar die
QUEEN nicht niederringen, immerhin aber konnten die Franzosen
die eigentlich schon verlorene JEMMAPPES vor dem englische
Zugriff retten und ebenfalls in Schlepp nehmen. Auch sammelte
Villaret-Joyeuses Kommando zwei weitere französische Hulks,
die SCIPION und die MUCIUS, ein.
Es war 13:15, als das Feuer auf beiden Seiten schließlich verstummte.
Zähneknirschend, aber hilflos im Lee ihrer geschlagenen
Kameraden mußten die Franzosen nun mit ansehen, wie die
Engländer ihre französischen Prisen nun doch noch einsammelten oder
sicherten.
Es waren dies die AMERICA (74 - Louis L'Héritier), IMPETUEUX
(74 - Douville), ACHILLE (74 - La Villegris), NORTHUMBERLAND (74 -
Etienne), JUSTE (80 - Blavet) und SANS PAREIL (80 - Courand).
Im letzteren Fall fiel die Inbesitznahme der SANS PAREIL besonders
leicht, denn an Bord befanden sich noch Kapitän Troubridge von
der Fregatte CASTOR mit einem Teil seiner Besatzung. Als das Schiff von
Kapitän Courand gegenüber der MAJESTIC kapitulierte,
übergab Courand einfach dem gefangenen Briten das Kommando.
Ein französisches Schiff kämpfte jedoch noch gegen
einen Feind um das nackte Überleben. Die VENGEUR hatte noch nicht gegen
die See kapituliert. Doch wurde die Crew des Wassereinbruch kaum Herr
und die militärische Ordnung an Bord begann sich zunehmend
aufzulösen.
Während des gesamten Tages versuchten aber zumindest die
Mehrzahl der Männer ihr Schiff noch zu retten. Am
Ende sollten ihre Mühen jedoch vergeblich gewesen
sein. Die VENGEUR sackte immer weiter ab.
Zwei englische Kutter, Boote von der ALFRED und der CULLODEN
retteten über 400 Männer von dem verlorenen
französischen Schlachtschiff, doch blieben noch viele
Verwundete und Männer, die sich in ihrer Verzweiflung
betrunken hatten, an Bord, als das Schiff am frühen Abend
sank.
Das Sinken war damals ein bei Schlachtschiffen dieser Zeit seltenes
Ende, wurden diese hölzernen Riesen doch eher das Opfer von
Feuer bzw. benötigten Wracks oft Tage, um unterzugehen.
Möglicherweise unterschätzten einige
französische Seeleute wegen dieser mangelnden Erfahrungen auch
die Gefahr.
Zum selben Zeitpunkt, als die VENGEUR vom Atlantik verschluckt wurde,
verloren die Engländer die französische Flotte, noch
immer aus 19 Schiffen bestehend, aus den Augen. Konteradmiral
Villaret-Joyeuse hatte in Übereinstimmung mit dem Vertreter
des Nationalkonvents, Saint-Andre, das Schlachtfeld verlassen.
Oft wurde Admiral Howe später als Unterlassung vorgeworfen,
das er die französische Flotte nicht verfolgt habe. Und oft
wurde auch geschrieben, Howe habe Villaret-Joyeuse nicht
verfolgt, weil dies dem damaligen Ehrenkodex widersprach.
Wer das schreibt, vergisst, dass 12 oder 13 von Howes Schiffen an diesem Tag
schwere Schäden davongetragen hatten und die Franzosen noch immer über 19 Linienschiffe verfügten. Mindesten zwei der beschädigten Schiffe hätten an der Verfolgung nicht teilnehmen können. 6 eroberte französische Schiffe waren zu sichern, über 2500 französische Gefangene mußten geborgen, versorgt und bewacht werden, über tausend eigene Verwundete und Tote mußten ebenfalls berücksichtigt werden. Schon aus diesen Gründen wäre eine Verfolgung sehr problematisch gewesen.
Ganz besonders abwegig ist dabei die Behauptung, Howe habe getreu einem Ehrenkodex gehandelt. Der alte Admiral hatte ja durch die Anwendung der modernen Durchbruchs-Taktik schon deutlich gezeigt, daß er nicht an vergangenen Zeiten hing.
Zudem kämpfte man nach Meinung vieler britischer Kommandanten nicht gegen Gentlemen oder Ehrenmänner. Die britische Regierung
betrachtete schließlich Frankreich zu diesem Zeitpunkt als vom
"Pöbel" regiert. Die politischen Säuberungen
in der französischen Flotte waren den
Engländern nicht entgangen und es gab sehr religiöse Kommandanten, die
französische Kapitäne explizit nicht mehr als
Ehrenmänner betrachteten, weil sie der "gottlosen" Republik
dienten.
Man ließe endlich auch außer acht, dass Howe sich am Ende
dieses Tages wahrscheinlich nicht mehr als Sieger gefühlt
hatte, denn sein sichtbarer Erfolg sah nicht so "glorios" aus :
Man hatte zwar sechs Schiffe erobert und eines versenkt, aber mindestens vier oder
fünf potentielle Prisen auch wieder an die Franzosen verloren.
Die BRUNSWICK war zu diesem Zeitpunkt verschollen, möglicherweise
von den Franzosen genommen, mindesten zwei, wenn nicht vier eigene
Schiffe waren zu kurzfristig nicht zu reparierenden Hulks geschossen worden.
Kaum einer von Howes Befehlen war an diesem Tag annähernd
befolgt worden, weder der Durchbruch durch die Linie noch die Order zur
Sicherung der Prisen.
Der Gegner hatte sich nach der Schlacht
wieder in einer ordentlichen Schlachtlinie präsentiert, nachdem er mehrere verloren
scheinende Schiffe wieder herausgehauen hatte.
Und - nicht zu unterschätzen - das gegnerische Flaggschiff
hatte noch alle Masten, wenn auch, was Howe nur ahnen konnte,
große Verluste. Die QUEEN CHARLOTTE dagegen war unglaublich
zerzaust, wenn sie auch mit moderaten Verlusten durch die Schlacht gekommen war.
Und dann hätte das eigentliche Ziel der englischen Operationen wohl doch Priorität vor einer Verfolgung gehabt. Wegen dem Konvoi hatte man ja überhaupt gekämpft und die Franzosen schließlich vom Schlachtfeld verdrängt. Wenn die Briten denn in der Lage gewesen wären, so hätten sie nun wohl eher nach dem Konvoi gesucht. Der aber schien für Howe inzwischen außer
Reichweite, denn mit seiner angeschlagenen Flotte konnte er nicht einmal mehr auf große Prisenjagd gehen.
|
Horatio Hornblower, 11 Bände
|
Villaret-Joyeuse auf der anderen Seite konnte seinen Rückzug gut rechtfertigen. Er konnte sich an diesem Tag zwar keineswegs als Sieger der
Schlacht fühlen, doch hatte er am Ende fünf seiner schon geschlagenen Schiffe vor den Augen des Gegners doch noch wegführen können.
Außerdem hatte Villaret-Joyeuse die englische Flotte weit weg gelockt von ihrem eigentlichen Ziel, dem Konvoi. Es war sehr fraglich, ob Howes Schiffe die Schiffe mit dem für Frankreich so wertvollen Weizen noch würde erreichen können.
So hatte der französische Flottenchef durchaus seine Erfolgserlebnisse.
Ein eher heimliches war vielleicht die vermeintliche Flucht des
heimlichen Oberkommandierenden Saint-Andre, der das Gemetzel auf der
Kampanje der MONTAGNE miterleben mußte und dann - angeblich
unbedeutend verletzt - unter Deck ging bzw. flüchtete. Damit
war der gefürchtete Beauftragte des Nationalkonvents
jedenfalls in der Stimmung, Villaret-Joyeuses Mission und
persönlichen Einsatz als Erfolg zu werten.
Erst am frühen Morgen des 3. Juni hatte Howe seine Flotte inklusive der Prisen soweit beieinander, daß er Segel setzen konnte und Kurs auf England nahm. Fünfzehn Linienschiffe der englischen Flotte und die eroberten Prisen erreichten am 13. Juni 1794 Spithead (Portsmouth), weitere neun Schiffe der Flotte liefen am selben Tag in Plymouth ein. Von dem für Frankreich so wichtigen Konvoi hatte die Flotte nicht einmal ein Schiff gesehen.
Doch die Engländer hatten noch nicht aufgegeben, die Schiffe des Konvois waren noch nicht außer Gefahr. Konteradmiral Montagu hatte am 28. Mai auf See erfahren, daß Howe die aus Brest ausgelaufene französische Flotte nach Nordwesten verfolgte. Montagu begab sich daraufhin zurück nach England und erreichte am 30. Mai Plymouth, um neue Befehle zu empfangen und gebenenfalls Verstärkung zu bekommen.
Am 3. Juni erreichte bekanntlich die AUDACIOUS (74 - William Parker) den Hafen. Man konnte nun in England davon ausgehen, daß es eine größere Schlacht zwischen Briten und Franzosen gegeben hatte. Am 4. Juni brach Konteradmiral Montagu mit zehn Linienschiffen und zwei Fregatten auf. Er setzte Kurs auf Ushant, wo er die englische Flotte zu treffen oder Nachrichten von Admiral Howe zu bekommen hoffte. Der Plan war aber auch, eventuell angeschlagene Schiffe zu unterstützen oder zu erobern, je nach Nationalität. Und natürlich sollte auch Montagu nach dem Konvoi fischen.
Am 8. Juni erreichte Montagus Geschwader Ushant und traf auf das französische Geschwader unter Konterdamiral Cornice, zu dem bekanntlich die zu Villaret-Joyeuse gestoßene TRENTE UN MAI (74 - Gantheaume) gehört hatte. Montagu jagte Cornice und seine Schiffe in die Bucht von Bertheaume und bezog dann Posten. Schon am Morgen des nächsten Tages sichtete er viele Segel im Westen, doch handelte es sich dabei weder um Admiral Howes Schiffe noch um den Konvoi. Es war die französische Flotte unter Villaret-Joyeuse, die nun Jagd auf Montagus Schiffe machte. Der Konteradmiral drohte zwischen der Brester Flotte und dem Geschwader von Cornice in die Zange genommen zu werden, räumte das Feld und segelte nach England zurück.
Die französische Flotte leistete dem Geschwader von Cornice Gesellschaft, um zunächst die Verwundeten an Land zu bringen. Am 13. Juni erschien dann der von allen gesuchte Konvoi unter der Begleitung von Vanstabels JEAN BART, der TIGRE und der MONTAGNARD. Gemeinsam mit der Kriegsflotte liefen die 116 Handelsschiffe in den Hafen von Brest ein, sehnsüchtig von der Bevölkerung erwartet, die Saint-Andre und Villaret-Joyeuse einen triumphalen Empfang bereitete.
Unbeeindruckt von diesem französischen Erfolg wurde auch Admiral Howe in England gefeiert. Die königliche Familie besuchte am 26. Juni das Flaggschiff des Siegers vom glorious first of june
. Der König verlieh Admiral Howe einen Ehrendegen, eine Halskette aus Gold und gab ein Lever. Dies war der Auftakt einer Flut von Ehrungen und Beförderungen.
Admiral Howe hatte in seinem Bericht die Leistungen bestimmter Offiziere hervorgehoben. Es waren dies zuerst alle Admirale mit Ausnahme von Konteradmiral Caldwell. Vizeadmiral Graves wurde für seine Verdienste zum Peer gemacht und aus Vizeadmiral Hood wurde der Viscount und Lord Bridport. Die Konteradmirale Bowyer, Gardner und Pasley wurden Baronets.
Die Kapitäne Seymour, Pakenham, Berkeley, Gambier, John und Henry Harvey, Payne, Parker, Pringle, Duckworth, Elphinstone, Nichols und Hope sowie die Leutnants Monkton und Donnelly wurden ebenfalls von Howe lobend erwähnt, sichtbare Zeichen ihrer Verdienste wurden aber offensichtlich nicht vergeben.
Wie üblich nach einer siegreichen Schlacht wurden jedoch alle ersten Offiziere aller beteiligten Linienschiffe zu Commandern befördert.
Der Master der QUEEN CHARLOTTE, James Bowen, wurde für sein Manöver gegen die MONTAGNE und JACOBIN in den Leutnantsrang befördert.
Bei den Franzosen ist mir lediglich die Beförderung von Konteradmiral Villaret-Joyeuse zum Vizeadmiral bekannt. Offensichtlich entkamen diesmal wenigstens alle Kommandanten der Guillotine und selbst Jean Bon Saint-Andre, ein Anhänger Robespierres, kam nach dem Sturz und der Hinrichtung des Diktators und seiner Anhänger im Juli 1794 mit dem Leben davon und wurde später Präfekt von Mainz.
Über die Verluste im einzelnen - soweit bekannt - gibt die bereits genannte Tabelle Aufschluß. Zusammengefaßt liest sich das so:
290 Tote und 858 Verwundete auf Seiten der Briten standen nach
konservativen Schätzungen ca. 1000 Toten
und 2200 Verwundeten bei den Franzosen gegenüber. Andere Schätzungen sprechen von 1500 Toten und 3500 Verwundeten. Außerdem fielen 2700 ausgebildete
französische Seeleute als Gefangene in britische Hand,
insgesamt ein Verlust an Fachleuten, der angesichts der
Säuberungen durch den terreur für die Schwächung der Kampfkraft der Revolutionsmarine schwer wog.
Es gab auch Verluste unter den Kommandanten:
Neben Kapitän James Montagu von der MONTAGU, der in der Schlacht fiel, kostete der 1. Juni noch einem weiteren britischen Kommandanten das Leben. Kapitän John Harvey von der BRUNSWICK erlag am 30. Juni 1794 seinen Verletzungen. Auf der JUSTE (80- Blavet) wurde Kapitän Blavet tödlich verwundet. Angeblich soll er vor seinem Tod noch versucht haben, die Pulverkammer seines Schiffes in die Luft zu jagen, wurde jedoch vom ersten Offizier der INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham), Blackwood, in letzter Minute daran gehindert. (Siehe auch hier)
Es ist sehr wahrscheinlich, daß auf französischer Seite noch mehr Kapitäne ihre letzte Fahrt gemacht hatten, jedoch sind mir keine Namen bekannt.
Der Kommandant der CAESAR, Kapitän Molloy, kam in Howes Bericht über die Schlacht von allen Kapitänen am schlechtesten weg. Er verlangte ein Kriegsgerichtsverfahren, was er besser hätte sein lassen. Denn tatsächlich befand das Gericht, der Kommandant der CAESAR habe nicht alles getan, um den Durchbruch zu versuchen. Molloy wurde gerügt und verlor das Kommando über sein Schiff.
|
British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
Wer sich für Nelsons Marine interessiert, wird dieses Buch faszinierend finden. Das Buch gibt einen detaillierten Einblick in ein Linienschiff dieser Zeit und erläutert durch Zeichnungen und gut verständliche englische Texte alle Einzelheiten, angefangen von den Räumlichkeiten über die Funktionen bis hin zum Zubehör und den Waffen. |
Ohne Zweifel scheiterten die Briten in ihren Operationen, die Versorgung Frankreichs durch den amerikanischen Weizen abzuschneiden. Die Schlacht hingegen war ein Sieg für Admiral Howe, wie immer dieser zustande gekommen war.
Und auch wenn man nicht von einem großen Sieg der
Engländer sprechen konnte, militärisch hatten Howe und
seine Männer die Schlacht , ebenfalls ohne Zweifel, gewonnen.
Immerhin 6 französische Schlachtschiffe fielen in englische Hand, eines
wurde versenkt. 12 oder 13 von Howes Schiffen hatten an diesem Tag
schwere Schäden davongetragen, auf Seiten der Franzosen waren
es - inklusive der oben Genannten - aber 15 bis 17 Schlachtschiffe. Die
Gesamtverluste an Menschen dieser 5 Tage sprechen eine noch deutlichere
Sprache.
Trotzdem wird dieser Schlacht bezüglich der Folgen auch heute noch eine zu große Bedeutung beigemessen. Den 1. Juni als glorreich und großen Sieg zu verkaufen, war zwar ein bis heute andauernder britischer PR-Erfolg, änderte aber nichts an den Problemen, die auf englischer Seite zu Tage traten. Das Howes Erfolg die britische Moral soweit gestärkt hatte, daß dadurch spätere Erfolge wie Camperdown 1797 oder Abukir 1798 möglich wurden, ist eine oberflächliche und falsche These. Die Gewichte zwischen den Seestreitkräften Englands und Frankreich wurden durch den 1. Juni 1794 kaum verschoben, weder militärisch noch sozialpsychologisch.
Frankreichs Flotte und die Moral ihrer Seeleute war so intakt wie dies unter der französischen Revolution und nach den Verlusten von Toulon 1793 möglich war. Wichtigstes historisches Element der Geschichte dürfte in diesem Kontext gewesen sein, dass der so wichtige Konvoi sein Ziel erreichte hatte. Deswegen feierte man in Frankreich den 13. Prairial - nicht völlig zu Unrecht - ebenfalls als Sieg.
|
![]() |
|
![]() |
|
Copyright © 2006 by T. Coladores & Pellewserbe